Mehr zur Kostenentwicklung im LARP

Als Reaktion auf meine erste Analyse über die Conpreise schreibt Robert Waldhans im Larpinfo-Forum:

"Cons werden definitiv teurer. Zumindest von bekannteren Orgas. Und wo früher 20 DM Conzahlerstrafe drauf waren, so zahlt man heute 20 Euro drauf. [...] Klar, die Statistik bleibt gleich, wenn man die ganzen Blümchenwiesen-Cons für 5-32,50 Euro einrechnet."

Diese Vermutung hat mich veranlasst, eine weitere Stichprobe zu erfassen, in denen alle Cons der Jahre 1995-2002 verschiedener Orgas enthalten sind, zu denen im LARP-Kalender Preise für Spielercharaktere angegeben sind.

Ausgewählt habe ich die folgenden Veranstalter:

Cons nach Orga

Avalon5
Banner Burgunds28
Düsterbrook (+ Erben)28
Dark Side Theatre3
Game a lot9
Helicon20
Ring der Abenteurer16
Schatzkammer9
TwilighT10
Vö-LARP21

TwilighT, die Schatzkammer und Düsterbrook (bzw. Düsterbrook Erben) sowie auch das Banner Burgunds und RdA wurden in der Diskussion direkt im Anschluß an den oben zitierten Artikel genannt. Die Con-Reihen "Avalon" und "Slave to Darkness" (DST) sind meiner Erinnerung nach damals recht bekannt gewesen. Game a Lot und Helicon veranstalten lang laufende Serien, die mir vom Netz her ein Begriff sind und Vö-LARP macht trotz relativ geringer überregionaler Bedeutung seit Jahren ziemlich regelmäßig Cons von mittlerer Organisationsstufe.

Cons nach Unterbringung

Burg/Schloß74
JuHe/Heim33
Zelte26
Hütten8
Keine Unterbringung5
k. Angabe3

Cons nach Veranstaltungsjahr (Stichtag: erster Contag)

1996/9515
199714
199826
199923
200030
200123
200218

Da für alle genannten Veranstalter zusammen im Jahr 1995 nur zwei Veranstaltungen verzeichnet sind, habe ich diese Veranstaltungen dem Jahr 1996 zugeordnet.

Verteilung der Condauer

Min.:1.000
Q25:3.000
Median:3.000
Q75:4.000
Max.:9.000
Mittel:3.564

Cons nach Orga

Cons nach Unterbringung


Die Daten wurden von mir anhand der aktuellen Daten für 2002 und der alten Kalenderdaten aus Thilo Wagners LARP-Kalender von Hand erfasst. Alle Veranstaltungspreise wurden in Euro umgerechnet. Die Auswertung erfolgte mit SAS bzw. R. Die Rohdaten und die Programme finden sich hier als ZIP-Archiv.


Verteilungen der Gesamtpreise, alle Cons

 1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 15 14 26 23 30 23 18 149
Min. : 31 26.0 26 31.0 5 5.0 49 5.00
Q25 : 77 51.0 61 66.0 49 59.0 65 61.00
Median: 87 70.5 73 77.0 75 66.0 72 75.00
Q75 : 102 87.0 82 98.5 92 89.5 80 92.00
Max. : 178 176.0 192 255.0 202 164.0 165 255.0
Mittel: 89.93 75.29 82.15 85.91 75.37 72.87 77.11 79.46

Verteilungen der Preise pro Contag, alle Cons

 1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 15 14 26 23 30 23 18 149
Min. : 10.33 8.67 7.75 3.44 5.00 5.00 12.25 3.44
Q25 : 20.03 17.00 18.67 20.38 15.20 17.25 21.67 18.00
Median: 22.00 21.04 21.33 22.00 21.67 21.33 23.63 22.00
Q75 : 25.67 24.00 25.67 26.33 25.67 26.67 26.67 25.67
Max. : 29.67 36.00 38.50 51.00 45.50 41.00 41.25 51.00
Mittel: 22.51 20.82 21.76 23.49 21.61 21.84 23.45 22.20
Index : 1.00 0.92 0.97 1.04 0.96 0.97 1.04 0.98

Hier behaupte ich mal keck, daß noch kein nennenswerter Trend auszumachen ist. Beweis durch Inaugenscheinnahme der Mittelwerte, bzw. der Indizes bezüglich des 96er-Mittelwerts. Ob der leicht erhöhte Wert für 2002 wirklich Ausdruck eines Trends ist, oder (vgl. der Wert aus 1999) nur im normalen Streubereich liegt, werden zukünftige Beobachtungen zeigen müssen. Ob man die 7.3%-Steigerung von 2001 auf 2002 als Indikator für einen "tEuro"-Effekt werten kann, ist angesichts des 99er-Werts auch eher fraglich.
Jedenfalls würde sich, wenn man naiv die Steigerung von 1996 bis 2002 betrachtet, im Mittel eine Steigerung von 4.18% in sechs Jahren ergeben, das wären umgerechnet 0.685% pro Jahr. Das wäre m.W. deutlich unter dem Inflationsniveau.


Verteilung der Gesamtpreise, Cons auf Burgen

 1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 10 6 17 11 11 10 9 74
Min. : 59.0 51 56 61.0 51 61 65 51
Q25 : 77.0 61 71 66.0 66 66 67 66
Median: 84.5 72 77 77.0 77 88 80 77
Q75 : 102.0 77 82 81.5 88 100 85 92
Max. : 178.0 176 192 255.0 182 164 165 255
Mittel: 95.10 84.83 88.47 90.27 87.27 93.20 88.22 89.77

Verteilung der Preise pro Contag, Cons auf Burgen

 1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 10 6 17 11 11 10 9 74
Min. : 19.67 17.00 18.67 20.33 17.00 20.33 21.67 17.00
Q25 : 21.75 20.33 20.67 22.00 22.00 22.00 22.33 22.00
Median: 25.67 24.83 24.00 25.67 25.67 29.33 26.67 25.67
Q75 : 27.33 29.33 27.33 27.17 28.00 33.25 27.50 28.00
Max. : 29.67 36.00 38.50 51.00 45.50 41.00 41.25 51.00
Mittel: 24.88 25.39 25.00 27.00 26.11 28.59 26.86 26.19
Index : 1.00 1.02 1.00 1.09 1.05 1.14 1.07 1.05

Hier ist im Mittel ein deutlicher Aufwärtstrend zu bemerken. Allerdings kann man auch hier darüber streiten, ob dieser wirklich dramatisch genannt werden kann. Die 14% Steigerung von 1996 bis 2001 ergeben rechnerisch einen Zuwachs von 2.65% im Jahr, im Vergleich 1996 zu 2002 würde sich allerdings nur ein Zuwachs von 1.13% ergeben. Nimmt man an, daß die tatsächliche Steigerungsrate irgendwo zwischen diesen Werten liegt, so würde sich ein Wert ergeben, der um oder leicht über dem Inflationsniveau liegt.

Allerdings liegt die Vermutung nahe, daß die Aufnahme der Tätigkeit der TwilighT-Orga, die für aufwändige Cons im oberen Preissegment bekannt ist, den Durchschnitt nach 1998 stark beeinflußt. Daher im Folgenden noch einmal eine Aufstellung der Burgcons ohne die TwilighT-Veranstaltungen.

Verteilung der Preise pro Contag, Cons auf Burgen ohne TwilighT

 1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 10 6 16 9 8 8 8 65
Min. : 19.67 17.00 18.67 20.33 17.00 20.33 21.67 17.00
Q25 : 21.75 20.33 20.50 22.00 21.17 21.67 22.33 22.00
Median: 25.67 24.83 24.00 25.67 22.50 26.67 25.83 25.33
Q75 : 27.33 29.33 27.14 26.33 25.67 30.67 27.08 27.50
Max. : 29.67 36.00 38.50 28.00 28.00 33.33 28.33 38.50
Mittel: 24.88 25.39 24.85 24.52 22.96 26.46 25.06 24.85
Index : 1.00 1.02 0.99 0.98 0.92 1.06 1.00 1.00

In der Tat zeigt sich, daß der Preisanstieg ohne diese Veranstaltungen noch weitaus geringer ausfällt. Tatsächlich würde ich mich trotz des hohen Wertes 2001 sehr schwer tun, hier von einem deutlichen Aufwärtstrend zu sprechen.


Verteilung der Gesamtpreise, Cons in Herbergen

 1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 2 4 4 5 5 7 6 33
Min. : 87.0 51.0 26.0 51 66 59.0 49 26
Q25 : 87.0 60.0 43.5 66 74 62.5 65 66
Median: 99.5 80.5 81.5 97 82 69.0 72 75
Q75 : 112.0 115.0 147.0 107 102 79.5 75 102
Max. : 112.0 138.0 192.0 143 128 128.0 97 192
Mittel: 99.50 87.50 95.25 92.80 90.40 77.14 71.67 85.33

Verteilung der Preise pro Contag, Cons in Herbergen

 1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 2 4 4 5 5 7 6 33
Min. : 17.40 15.33 13.00 17.00 20.40 18.00 16.33 13.00
Q25 : 17.40 16.17 16.67 20.43 20.50 19.67 21.67 18.67
Median: 18.03 17.70 20.37 21.40 21.33 21.33 23.63 21.33
Q75 : 18.67 20.70 22.20 22.00 22.00 21.88 25.00 23.00
Max. : 18.67 23.00 24.00 32.33 24.67 23.00 25.00 32.33
Mittel: 18.03 18.43 19.43 22.63 21.78 20.77 22.54 20.92
Index : 1.00 1.02 1.07 1.26 1.20 1.15 1.25 1.16

Hier ist mal eine deutliche Steigerung zu bemerken. Nimmt man wieder die Steigerung im Intervall von 1996 bis 2002, so ergibt sich ein Zuwachs von 25.01%, was einer jährlichen Steigerung von immerhin 3.79% entspricht. Allerdings sind hier auch relativ wenige Cons in die Analyse eingegangen. Gerade in den Jahren bis 1998 ist die Datenbasis recht dünn und in den Folgejahren sind zwar starke Schwankungen aber auch kein eindeutiger Trend festzustellen. Eine weitere Untersuchung mit mehr Cons mittleren Organisationsgrads könnte hier Aufschluß geben, ob sich diese Kategorie tatsächlich stark verteuert hat.

Bei den anderen Unterbringungsarten ist die Datenbasis so dünn, daß ich mir die weiteren Auswertungen hier spare.


Verteilung der Preise pro Contag, DB/Schatzkammer/TwilighT

Um jetzt wirklich nochmal Roberts These über die bekannteren Orgas zu überprüfen, habe ich hier noch einmal die Tabelle für Cons der Veranstalter Düsterbrook, Schatzkammer und TwilighT.

1995/96 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Alle
Anzahl: 3 2 8 8 13 7 6 47
Min. : 20.40 21.75 14.00 12.00 5.00 12.67 12.25 5.00
Q25 : 20.40 21.75 19.53 17.62 13.33 16.50 16.25 16.25
Median: 20.40 25.54 25.98 25.17 25.33 19.67 25.83 25.33
Q75 : 27.50 29.33 29.00 34.00 30.00 33.33 27.50 30.00
Max. : 27.50 29.33 32.00 51.00 45.50 41.00 41.25 51.00
Mittel: 22.77 25.54 24.38 27.07 23.33 25.15 24.82 24.66
Index : 1.00 1.12 1.07 1.18 1.02 1.10 1.09 1.08

Angesichts der Tatsache, daß für die Jahre 1995-1997 nur sehr wenige Beobachtungen vorliegen, sind hier nur schwer irgendwelche Aussagen zu treffen. Für die Zeit von 1998 bis 2002 schwanken die Werte recht stark und ein deutlicher Aufwärtstrend ist meiner Meinung nach auch nicht auszumachen.


Insgesamt fällt es mir nach wie vor schwer, der Einschätzung, es habe einen starken oder gar unverschämten Anstieg bei den Conpreisen gegeben, zuzustimmen. Teilweise stützen die Daten diese These überhaupt nicht, größtenteils sind die Anstiege soweit vorhanden durchaus im Bereich dessen, was man als allgemeine Teuerungsrate erwarten kann, oder sogar darunter.
Wie bei der allgemeinen tEuro-Debatte, kann man hier feststellen, daß die landläufige Meinung die statistisch meßbare Teuerung offenbar weit überschätzt.

Natürlich ist die Datenbasis, auf der ich gearbeitet habe, relativ dünn und die Auswahl der Veranstalter ist relativ willkürlich. Auch ist die Methodik der rein deskriptiven Betrachtung sicherlich nicht optimal. Bei der Analyse der Kosten kann man beliebig viele Faktoren finden, die den Conpreis beeinflussen und eine Mittelung über viele Cons relativ unbeholfen erscheinen lassen. Leider fehlt mir der Ehrgeiz, mich für dieses Projekt in Preisindexmodelle einzuarbeiten und der Verdacht liegt nahe, daß die verfügbare Datenbasis dann endgültig zu schwach würde. Auch die Analyse der verschiedenen Einflußfaktoren, die den Conpreis beeinflussen, wie technischer Aufwand, Größe der Veranstaltung, Qualität und Art der Verpflegung, usf. ist ein lange gehegter Traum von mir, scheitert aber bislang am Aufwand der Datenerfassung. Aus dem gleichen Grund bin ich auch Roberts Frage nach der Entwicklung der Frühbucherrabatte nicht weiter nachgegangen. Wer meint, daß hier bestimmte Orgas fehlen oder vielleicht Spaß daran hätte, die Datenbasis weiter auszubauen, ist herzlich eingeladen, in Bezug auf seine Mithilfe bei der Dateneingabe mit mir Kontakt aufzunehmen.

Die Analysen und Grafiken wurden mit SAS bzw. dem freien Statistik-Programm R erstellt.

© 2002 Ralf Hüls


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