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Würdigung und Abschied vom verstorbenen
Weihbischof Ernst Gutting, Speyer


Am 27. September ist der emeritierte Speyerer Weihbischof Ernst Gutting im Alter von 94 Jahren gestorben. Geschwächt durch Alter und Krankheit, lebte er die letzten Jahre zurückgezogen in Kaiserslautern.  

Ernst Gutting stammte aus Ludwigshafen, wo er am 30. Januar 1919 geboren wurde. Nach seiner Priesterweihe 1949 war er Kaplan in Pirmasens, Landau und Kaiserslautern. 1956 wurde er Diözesanseelsorger für die Frauenjugend, bis ihm Bischof Emanuel 1959 das Amt des Diözesanfrauenseelsorgers übertrug. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war der Aufbau eines Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), die sich sehr bald zum Mitglieder stärksten Verband im Bistum entwickelte.

Am Fronleichnamsfest 1971 gab Bischof Dr. Friedrich Wetter bekannt, dass Papst Paul VI. seiner Bitte nach einem Weihbischof entsprochen habe. Mit dem 52-jährigen Gutting fiel die Wahl auf einen Speyerer Diözesanpriester, dessen Wirkungsbereich schon längst über die Grenzen des Bistums hinausgegangen war: Bereits 1968 war Gutting zum Generalpräses des Zentralverbandes der Katholischen Frauen- und Müttergemeinschaften Deutschlands gewählt worden; ein Jahr später hatte er auch die Leitung der Bischöflichen Hauptstelle für Frauenseelsorge in Düsseldorf übernommen.

Am 12. September 1971 empfing Gutting im Speyerer Dom die Bischofsweihe. Er war der erste Weihbischof des Bistums Speyer seit der Neuerrichtung des Bistums im Jahr 1821. "Nur die Liebe zählt": Diesen testamentarischen Satz seiner Lieblingsheiligen, der "kleinen Theresia" von Lisieux, hatte er sich zum Leitspruch gewählt. Die Gedanken dieser Heiligen haben am tiefsten seine Spiritualität als Priester und Bischof beeinflusst. Ihren "kleinen Weg" der Liebe suchte er, der nach eigenen Worten "am liebsten Exerzitienmeister" gewesen wäre, über Jahrzehnte in Vorträgen und Einkehrtagen zu vermitteln. Tiefstes Anliegen war ihm dabei immer der Aufbau einer Kirche, die in einer von Hass, Ungerechtigkeit und Krieg zerrissenen Welt zu einem Ort wirklicher Gemeinschaft und der heilenden Gegenwart Christi wird.

Als Bischofsvikar für die Seelsorge hat Gutting, der seit 1974 auch das Amt des Dompropstes innehatte, mehrere neue Entwicklung in der Gemeindepastoral angestoßen und gefördert. Beispielsweise suchten unter seiner Leitung seit 1981 eine ganze Reihe von Pfarreien im Bistum ihre seelsorgliche Arbeit nach dem von der "Bewegung für eine bessere Welt" entwickelten Modell der "Pfarrerneuerung" auszurichten.

Bekannt geworden über das Bistum hinaus ist Weihbischof Gutting als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Frauenseelsorge. In dieser Funktion hat er das 1981 erschienene Schreiben der deutschen Bischöfe „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ maßgeblich mitverfasst. Guttings offenen und mutigen Worte für die Rechte der Frau in Gesellschaft und Kirche fanden nicht nur in katholischen Frauenkreisen Beachtung und Beifall. Sein 1987 veröffentlichtes Buch "Offensive gegen den Patriachalismus - für eine menschlichere Welt", das sogar in eine afrikanische Sprache übersetzt wurde, ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein partnerschaftliches Miteinander von Männern und Frauen im Geist der biblischen Botschaft.

Besonders eingesetzt hat sich der Speyerer Weihbischof auch für die Pfarrhaushälterinnen. So war er 1971 an der Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft dieser Berufs- gruppe beteiligt. Ebenso war er 1974 Mitbegründer der Internationalen Föderation der Pfarrhaushälterinnen, deren Präsidium er bis 2003 als Bischöflicher Berater angehörte.

Außer der Frauenseelsorge galt das besondere Interesse Guttings der Arbeitswelt. Hierfür empfing er - als Sohn eines christlichen Gewerkschaftssekretärs - schon im Elternhaus entscheidende Impulse. Seit seinen ersten Kaplansjahren war er der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eng verbunden. "Die Kirche muss sich zu den Arbeitern bekehren", so lautete einer seiner Leitsätze. Er selbst scheute sich nicht, für die Interessen der Arbeiter auf die Straße zu gehen. 1975 kämpfte er in einer Initiative der katholischen und evangelischen Kirche gegen den Abbau von 900 Arbeitsplätzen beim Speyerer Flugzeugwerk VFW mit. Als die Schließung des Alcan-Aluminiumwerkes in Ludwigshafen drohte, ließ er sich von der Betriebsversammlung zum Mitglied der Verhandlungskommission wählen. Er interve- nierte damals nicht nur im Mainzer Wirtschaftsministerium, sondern leitete auch das entscheidende Gespräch mit Bundeskanzler Kohl.

Als Ernst Gutting 1994 in den Ruhestand trat, bescheinigte ihm der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Karl Lehmann, er habe für die Anliegen der Frauen in Kirche und Gesellschaft "viele weiterführende Anregungen gegeben und bleibende Akzente gesetzt“. Bischof Dr. Anton Schlembach nannte ihn einen "frohen und liebenden Menschen und Mitmenschen, einen strahlenden Christen und Mitchristen, einen Priester mit hoher spiritueller Sensibilität und starker Kraft der Zuwendung“. Das ist Ernst Gutting bis zuletzt geblieben.

Die Würdigung wurde vom Bistum Speyer übernommen.



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