Als der Elfenhain in voller Blüte seiner Jugend stand fand auch eine kleine Drachin den Weg in den Hain. Weit weg von ihrer Heimat Pern suchte sie nach einem artverwandten Wesen. Als der Eisdrache von ihrem von Einsamkeit umfangenen Geist berührt wurde nahm er sich der sanften Drachin an.
Angharad
Von ihrer Schönheit fasziniert ließ der Eisdrache sie an seinen Geheimnissen teilhaben und zeigte ihr seine Welt. Die anfangs sehr schüchterne Drachin begann Vertrauen zu fassen und ließ zu, das er nach und nach die Wunden entdeckte die die Vergangeheit in ihrem Herzen hinterlassen hatte. Vorsichtig begann sie nach und nach ihren Geist zu öffnen und ihn in die tiefsten Klippen ihrer schauen zu lassen. Die trostlosen Landschaften die der forschende Drache fand ließen ihn ahnen welche Spuren der mangelnde Kontakt mit Artverwandten hinterlassen hatte. Auch wenn sie nie wirklich allein gewesen war, so hatten die Wesen die sie umgaben den durstigen Geist der jungen Drachin nie wirklich fordern können, und so hatte sie nie die Möglichkeiten kennengelernt, die die Verbindung mit einem anderen Drachen ihr geben konnten. Die Berührung des eisig-sanften Riesen ließen sie erblühen wie Steppe nach der Dürre. Die Eleganz ihres Körpers wurde plötzlich nicht nur durch die Schärfe ihres Verstandes betont, sondern auch durch die Freude ihres Herzens vervollkommnet. Mit Freude sah der Eisdrache zu wie sie immer mehr ihrer Kraft entdeckte und wie das Feuer in ihre Augen zurückkehrte. Von unbändiger Kraft getrieben begann Angharad die Welt um sich zu erforschen und auf den Kopf zu stellen. Hin und wieder schlug sie über die Stränge und der alte Drache begann ihr die Verantwortung die ein Drache zu tragen hat und die Grundsätze nach denen die Drachen unter sich handeln zu erklären. Wenig später fand sie in KupferDrache einen Weggefährten, der sie fortan begleiten würde. Die beiden fingen an gemeinsam die Welt zu erkunden und nur noch hin und wieder fand die kleine Drachin den Weg zurück zu ihrem alten Eisdrachen. Wenig später verschlug es sie in eine andere Welt und nur noch sehr selten gelingt es ihr eine Botschaft zu senden. Immerhin konnte der Eisdrache in Erfahrung bringen, dass KupferDrache sie gelegentlich gesehen hat. Seitdem zieht der alte Eisdrache mit mächtigen Schwingeschlägen durch die Universen und hofft darauf sie wiederzusehen. Ihre letzten Worte "Ich bin keine Sucherin, ich werde dich finden!" gaben ihm lange Zeit den Mut seine unermüdlichen Schwingen ohne Rast schlagen zu lassen und bis in die hintersten Winkel der bekannten Multiversen vorzudringen. Doch langsam verlässt ihn der Glaube sie wiederzufinden und so strandete er auf einem öden Felsen um neue Kräfte für den Heimweg zu sammeln.
Gestrandet
Müde ließ er sich nieder und schrie seine Enttäuschung
in die Glut des Sonnenuntergangs. Als sein Brüllen verklang sanker
auf den Felsen nieder und ließ die matten Schwingen über den
rauhen Felsen hängen. Er begann gerade zu realisieren, wie erschöpft
er war, als der Schlaf ihn schon übermannte. Tief war der Schlaf,
so tief dass er nicht merkte wie das Wasser kam und ging, wie die Sonne
über ihm hinwegzog und der Mond voll wurde und wieder zu einer schmalen
Sichel abnahm. Nichts durchdrang den bleiernen Schlaf in dem er lag. Weder
die Fischer, die in der Bucht mit primitiven Speeren nach den schmackhaften
sechbeinigen Wasserechsen jagten, und nachdem sie die Silhouette seines
massigen Körpers entdeckten eilig das Weite suchten, noch die winzigen
gefiederten Wesen die zwischen seinen Stacheln und auf seinen Schuppen
Netze webten und ganze Generationen großzogen, die durch seine Gegenwart
vor ihren Feinden geschützt waren. Als die Fischer wieder kamen um
seinen offensichtlich toten Körper zu zerteilen und für sich
zu nutzen umschwirrten ihn schon Myriaden von funkelnden arachniden Ornithopen.
Oder waren es ornithope Arachnide? Als sich die Humanoiden, in der Hoffnung
sich aus den Sehnen des Drachen Netze und aus seinen Schuppen und Zähnen
Waffen machen zu können, näherten reagierte der Schwarm und verteidigte
seine Heimstatt. Mochten die Fischer auch mit großen Messern und
Lanzen ausgerüstet sein, um den starken Panzer des Drachen zu brechen,
so waren sie doch wehr- und hilflos gegenüber dem wütenden Kollektiv,
dass ich auf die ersten überraschten Zweibeiner stürzte, die
sich dem Leib des Drachen näherten. Der erstickte Schrei des ersten
Opfers, dass kaum die Zeit fand sich umzuwenden und die Flucht anzutreten,
bevor das aggressive Gift der Lilianiden seine Haut durchfraß und
es sofort lähmte, konnte die nachfolgenden kaum vor ihrem Schicksal
bewahren. War ein ganzer Stamm aufgebrochen, den Drachen zu bergen, so
schafften es kaum ein dutzend das rettende Wasser oder den nahen Wald zu
erreichen und dem Kollektiv zu entkommen. Etliche sauber eingesponnene
und flach atmende Körper zeugten von dem ungleichen Kampf, der sich
hier abgespielt hatte. Hatten die Lilianiden auch gesiegt, so war der Sig
bitter. Fast tausend ihrer Brüder und Schwestern waren im Kampf um
ihr Heim gefallen. Das Kollektiv trauerte und die sonst so schillernden
bunten Gefieder waren grau im Gedenken an ihre Gefährten. Im Grau
des Morgens kamen die Geschlagenen in schweren Lederrüstungen zurück,
ihrerseits ihre Gefährten zu bergen. Drohend erhob sich das Heer der
Lilianiden von seinem Drachenhort und bildete eine schillernde Formation
vor dem Drachenleib, die von blau über türkis und grün das
Spektrum durchlief und dann bei warnendem Rot und Orange verweilte. Zwei
der vier Neuankömmlinge traten langsam vor und die Formation verharrte
bedrohlich summend auf ihrer Position. Als die beiden wartenden Anstalten
machten sich zu bewegen, flammte das Kollektiv leuchtendrot auf und gab
ein markerschütterndes sirenenartiges Heulen von sich. Alle vier Stammesangehörigen
erstarrten augenblicklich. Die Lilianiden summten zufrieden... Bis es einen
kalten Hauch und die plötzliche Gegenwart von etwas großem in
der geistigen Einheit ihres Kollektivs spürte. Chaos brach aus, als
sich tausende von winzigen gefiderten Wesen umwandten und in das riesige
Gesicht dessen starrten, was ihr Heim war. Während die Menschlichen
schon den nahen Wald erreicht hatten und sich wieder trauten zurückzublicken,
wurde das Kollektiv in seinen Grundfesten erschüttert. "Die eigene
Heimstatt bekämpfen?", hallte die Frage durch den vereinigten Geist.
Während der große Konsens noch zögerte brachen einige zehntausend
mutiger und verzweifelter Lilianiden aus der Formation aus und flogen auf
die Schnauze des Drachen zu. "Lasst das!" brach der Geist des eisigen Beschützers
wie eine Woge in die Phalanx der telephatischen Lilianiden herein und überflutete
die große Gemeinsamkeit mit dem Gefühl, dass kein Widerspruch
erduldet wird. Gleichzeitig löste sich aus den Nüstern des geflügelten
Riesen eine Wolken eisigen Dunstes, der die ersten der angreifenden Lilianiden
umfing und sich auf ihren winzigen Gefiedern niederschlug und sie schwer
machte. Mühsam machten die Angreifer kehrt und und begaben sich zu
ihren Gefährten. Wieder machte sich Ratlosigkeit im Schwarm breit.
"Was tun? Eine neue Heimstatt suchen?" Während der Schwarm ratlos,
einem kreisrunden pulsierenden Regenbogen gleich in der Luft vor ihm schwebte
betrachtete der Drache die Veränderungen die der Schwarm an ihm herbeigeführt
hatte. Fast sein gesamter Rücken war mit silberner Seide bedeckt.
Die Stacheln auf seinem Rücken ragten aus dem glitzernden Teppich
hervor, und seine Schwingen waren unangetastet. Vorsichtig schob er eine
Klaue unter den glitzernden Vorhang, was den Schwarm zu aufgeregtem Summen
veranlasste, und schaute darunter, um zu sehen ob seine Schuppen unversehrt
wären. Zufrieden nickte er und, weil er die Erschöpfung der von
seinem Eishauch getroffenen Lilianiden spürte, durchdrang er sanft
das Gewirr ihrer Gedanken und dachte: "Ihr mögt landen." Wieder machte
sich Verwirrung breit, aber als einige, besonders mutige oder besonders
erschöpfte, seine Einladung annahmen folgte bald der ganze Schwarm.
Gespannt und ziemlich aufgeregt verfolgte der Eisdrache, wie die kleinen
Wesen einfach durch die Fasern ihrer Seide glitten und erstmal aus seinem
Blickfeld verschwanden. Fast augenblicklich wurde er von einer Woge Erleichterung,
Freude und Hoffnung überspült, die die winzigen Winzlinge aussandten,
die froh waren wieder zuhause zu sein. Gegen Abend begann die Euphorie
abzuebben, und langsam der Sorge zu weichen, wie es denn jetzt weitergehen
sollte. Als der volle Mond im Zenit des Himmels stand rief der Drache das
Volk auf sich mit ihm zu beraten. Bis der Morgen graute diskutierten Milliarden
von Wesen vereint und doch uneins mit dem gewaltigen und gütigen Geist
des Drachen. Als die Sonne sich strahlend über dem Meer erhob war
ein Konsens gefunden und ein Vertrag geschlossen. Die Suche würde
weitergehen. Doch fortan war der Eisdrache nicht mehr allein...
Das Eisdrachenlied
riechst du den duft des kalten windes,
des drachen aus eis, des winterkindes?
weit ist er geflogen, hat vieles gesehen,
mußte leid ertragen, abenteuer bestehen,
erlebte die liebe und auch den schmerz,
der weise drache mit dem großen herz.
wo wird er einst wohl ruhe finden?
wer vermag es, ihn zu binden?
niemand kann ihn jemals halten,
den freien drachen, den uralten.
doch horch - ein ruf schallt durch die nacht,
beendet seine lange wacht.
fort flog er auf schnellen schwingen,
zurück bleibt nur kristall´nes klingen.
Angharad
Mit glitzernden Augen liegt der Eisdrache vor seiner Drachin und lauscht
ihrer klaren Stimme und dem Echo ihrer Gegenwart in seinem Geist...
...findet einfach keine Worte seine Gefühle zu beschreiben.