Unser Pflegesohn René wurde am 18.05.89 geboren.
Am 06.12.89 haben wir ihn bei uns in der Familie
Aufgenommen.Er lag zu der zeit im Krankenhaus und
hatte eine schwere Bronchitis.Bis zu seinem Zweiten
Lebensjahr waren solche Infekte an der Tagesordnung.
René hat immer viel geschrien.So das wir oft nicht
wußten was wir machen sollen.Er war immer ein
Kind das stark untergewichtig war.Obwohl er mehr
gegessen hat als ein Erwachsener.Am Anfang waren
sieben bis acht Fläschchen normal.Als er dann
anfing vom Tisch mit zu Essen,sah sein Tagesablauf
so aus.


7.00 Uhr eine Flasche Trinkbrei
8.00 Uhr zwei Schnitten Brot
9.00 Uhr eine halbe Fleischwurst
10.00 Uhr eine Flasche Trinkbrei
11.00 Uhr zwei Bananen
12.00 Uhr zwei Flasche Trinkbrei
13.00 Uhr zwei Schnitten Brot
nun gab es eine Pause (Mitagsschlaf)
ohne Fläschchen keine Chance
14.30 Uhr Mittagessen Zwei Portionen-und Nachtisch
15.30 Uhr eine Flasche Trinkbrei
16.30 Uhr Kuchen/Torte 2-3 Stücke
17.30 Uhr eine halbe Fleischwurst
18.30 Uhr eine Flasche Trinkbrei
19.30 Uhr Pudding 2-3 Portionen
Zwei Schnitten Brot
20.00 Uhr Schlafenszeit Natürlich
nicht ohne Fläschchen
22.00 Uhr Eine flasche Trinkbrei
22.30 Uhr Endlich Nachtruhe
Bis um 7.00 Uhr
Wenn wir Glück hatten


Bei den Schlafenszeiten gab es natürlich einiges
zu beachten.Es mußte immer ein Bestimmtes Kissen
mit ins Bett.Dieses konnte man auch nicht austauschen.
Sein Kissen muß immer in der mitte des Kopfteils
liegen und durfte keine falten werfen.Auch die Decke
mußte immer Richtig in Position liegen.
Zum Einschlafen mußte René erst mal eine Runde Schreien.
Natürlich durfte auch die Trinkflasche nicht fehlen.
So ging das Tag ein Tag aus.Mit 2 jahren bekam
er die Polypen entfernt.Dort sagte uns der Anestäsist
wir sollen das Kind mal auf Hyperaktivität
untersuchen lassen.Dieses haben wir dann auch gemacht.
Nach vielen Untersuchungen bestätigte der Arzt uns
dann,das René Hyperaktiv ist.Im laufe der Jahre wurde
es auch immer Schlimmer.Besonders wenn er Weingummi
(seine lieblings Naschsachen) zu sich nahm wechselte
er von einem Extrem ins andere.So war er gerade noch
Lustig drehte sich einmal um seine eigene Achse und
wurde Total agressiv.Das war dann der Zeitpunkt wo
uns der Arzt Ritalin verordnen wollte.Doch wir wollten
uns erst einmal darüber erkundigen und mit anderen
Betroffenen sprechen.So ganz konnte uns das Medikament
aber nicht Überzeugen.zuviele Nebenwirkungen hielten uns
dann davon ab.Also suchten wir nach anderen Methoden
und kamen dann auf die Haltetherapie.Ich muß noch
dazu sagen das René bei seinen Agressiven Ausbrüchen
nicht wußte was er tat.Es galt also nun das Kind und
sein Umfeld vor verletzungen zu schützen.Immer wenn
wir dann merkte es brodelt mal wieder habe ich ihn dann
auf den Schoß genommen und festgehalten bis er in
eine Art wimmerzustand viel und einfach nur noch
gestreichelt werden wollte.Das ganze dauerte immer zwischen
20-und 40 Minuten.Und kam fast Täglich wenigstens zwei mal
vor.Wir stellten allerdings auch die Ernährung so um das
die sachen wo er drauf reagiert nach möglichkeit nicht
vor kamen.Das ist allerdings gar nicht so einfach.Weil es
immer eine Oma oder Tante gibt die der Meinung sind das
doch ein kleines Weingummi nicht so schlimm sei.Doch wir
konnten sie eines besseren belehren.(Hier unser Tipp
zwischendurch:Lasst das Kind mal übers Wochenende
da."Lach" das wirkt wunder)Es folgte dann eine Zeit wo
wir doch oft nicht weiter wußten.So nahm dieses
Kind ja keinen gramm zu.Obwohl er ja immer noch so viel
zu sich nahm.Der Kinderarzt stellte dann einen Besonderen
Ernährundsplan auf,nachdem wir uns dann richten
sollten.War auch nicht einfach weil dieses Kind ja nicht
alles ißt.Nach zwei Wochen mußten wir das
Abbrechen da René 5 kilo abgenommen hatte.(das sollte mir
mal passieren).Der Arzt meinte dann nur das wir den
Jungen Essen lassen sollten was er gerne mag.Und am
Besten mit vielen Kalorien.Nach einem Jahr hatten wir
die Kilos,Gott sei dank,wieder drauf.
Im Kindergarten ging der Kampf dann weiter.Zu beginn
hatten wir wieder mit der Angst von René zu kämpfen.
René hatte Angst das ich nicht wieder komme.so brachte
ich den Jungen dann um 9.00 Uhr hin und bekam um
10.30 Uhr den anruf,Bitte holen sie Ihr Kind ab.Er hat
dann die zeit nur gebrüllt.Nach 14 Tagen hatte ich die
nase voll.Ich habe dann die Zeiten ausgedehnt.Bis ich das
Kind erst um 12.00 Uhr abholte.René machte zwar zu beginn
immer noch Theater aber er beruhigte sich auch.
Dann gingen die Beschwerden los.Das Kind ist zu
Hibbelig,zu Albern,er bringt nichts zu ende,er kann
sich nicht Konzentrieren.Das war dann die Zeit wo wir
einen Psychologen nach dem anderen zu Rate zogen
René kam aber trotz allem in eine ganz normale Schule.
Die Lehrerin kannte sich wohl auch auf diesem Gebiet
etwas aus.Wenn sie merkte das der Junge unruhig wurde,
legte sie ihm eine Hand auf die Schultern.Oder sie
Schickte ihn auf den Schulhof wo er dann zweimal um
das Gebäude laufen sollte.Sie stellte auch fest
das wenn man René zum stillsitzen aufrief er das auch
tat.Nur beanspruchte das seine Konzentration so sehr
das er nicht in der Lage war dem Unterricht zu folgen.
Also mußte beim Schreiben von Aufgaben eine andere
lösung her damit er seine Mitschüler nicht stört.
Er bekam dann wärend dieser Zeit den Gemeinschafts-
tisch zugewiesen.Sie fand das immer sehr Interresant
wie er dann beim schreiben den Tisch umrundete
und seine Aufgaben dann aber sehr flink(nicht immer
richtig)lösen konnte.So klappten die ersten
zwei Jahre der Schule ganz gut.Im dritten Schuljahr
standen wir vor dem Problem das René manche Aufgaben
nicht lösen konnte und wieder zurück gestuft
wurde.Wir haben René dann Prüfen lassen.Es stellte sich
dabei herraus das René unter Diskalkulie(Rechen-
schwäche)leidet.Die neue Lehrerin konnte leider
nicht so gut mit der Hyperaktivität umgehen.Sie war der
Meinung das der Junge nur ungezogen sei.So hagelte es
nur noch Beschwerden .Die Diskalkulie(Rechensch-
wäche) wurde von ihr auch nicht akzeptiert.Es gab
dann des öfteren den Spruch "so blöd
kannste doch gar nicht sein"."Wenn du dich auf die
Arbeiten so konzentrieren würdest wie auf rumhampeln
dann...." In einem Dikat hat René zum Beispiel eine eins
geschrieben.Statt das kind zu loben für diese
gute Arbeit,kam der Spruch;"Wenn du in Mathe
solche Zensuren bringen würdest dann wäre es gut
Das ist genau das was so ein Kind braucht.
Das ende vom Lied war dann das René in den
anderen Fächern auch absackte.Da kann man der Lehrerin
doch nur Gratulieren.
Im Komunion unterricht hatten wir dann bald das
gleiche Problem.Die anderen Eltern beschwerten sich
dar¨ber das sich ihre Kinder nicht Konzentrieren
könnten.Ich habe zu der Zeit die schnute von den
vielen Erklärungen voll gehabt.Und habe diese
Eltern gefragt ob ihre Kinder vieleicht unter
Konzentrationsschwäche leiden würden.
Es war aber wieder mein Sohn der eine Prüfung
ablegen mußte ob er überhaupt was von dem
Unterricht mitbekommen hat.Der Pastor war ganz
begeißtert da René selbst aus den Gottesdienen
noch so viel behalten hatte und ihm dann auch noch
Fragen stellte woher dieses oder jenes kommt.
Ich weiß das es nicht einfach ist mit einem Hyperaktiven
Kind fertig zu werden.Aber ist es denn richtiger ein Kind
mit Medikamenten zu ruhe zu bringen? Damit unterdrückt
man doch nur das Erscheinungsbild,und nicht die Ursache.
Wenn alle die,die mit so einem Kind zu tun haben,
versuchen würden sich mit diesem Thema auseinander zu
setzen,würde es dennen und dem Kind schon viel besser gehen
Naja mit seinen Wutanfällen wurde es natürlich
immer Schwieriger denn der Junge wurde ja immer Kräftiger
Die halteversuche endeten dannn auf dem Fußboden.
Und es dauerte oft eine Stunde bis er sich wieder im
Griff hatte.
Der siebte Psychologe Teilte uns nun mit das er an René
nicht ran komme.René wollte auch gar nicht mehr dahin.
So haben wir dann einen Kompromiss geschloßen.
Er versuchte von nun an nicht mehr bei jeder kleinigkeit
in die Luft zu gehen und wenn ihm das gelingt könnten
wir den Psychologen fallen lassen.Die Anfäe wurden
auch weniger.Dafür bekamen wir dann aber Epelaptische
Anfälle.Der nächste Schulwechsel kam.Wir haben die
Hauptschule gewählt.Dort habe ich dann die flucht nach vorne
ergriffen.Ich habe dort mit allen Lehrern über die Probleme
von unserem Sohn gesprochen.Warum weiß ich heute allerdings
nicht.
In den ersten zwei Jahren gab es dort eigentlich keine
Schulischen Probleme.Ab der 6ten Klasse hatten wir auch
keine Epeleptischen Anfälle mehr.Die Wutausbrüche
bekommt er nur noch ganz,ganz selten.Mit der Konzentration
klappt es immer noch nicht.Aber er steht im Moment zwischen
3 und 4(bis 2003) bei seinen Zensuren.Ich finde er hat gute
Fortschritte gemacht und habe die Hoffnung das der Rest
auch weniger wird.Nachdem wir nun leider viel Unterrichts-
ausfälle hatten,viele Lehrerwechsel, sackte René in der
Schule wieder ab.Er hat auch keine Lust mehr zur Schule zu
gehen,weil man dort ja doch nichts mehr lernt.Er würde viel
lieber Arbeiten
Was diese Kinder brauchen ist viel Sport,ganz,ganz viel
Liebe,immer wieder den zuspruch "Du schaffst das",eine starke
Hand die Leitet.Nicht gebrauchen können sie dumme
Sprüche,beschimpfungen und Kritisierung an ihren
Fähigkeiten.Es ist nicht immer leicht das richtige
zu tun.Das geht auch nicht.Aber es ist sehr leicht einem
Kind ein lächeln aufs Gesicht zu zaubern in dem man
es Lobt.Hyperaktiv bedeutet nicht Dumm und ich bin auch
nicht der Meinung das diese Kinder auf Sonderschulen
gehören.Es wäre viel besser wenn es mehr Lehrer
geben würde die sich mit dieser Thematik auseinander
setzen und mit den Eltern und Ärzten zusammenarbeiten
würden.


So passt es:
1. Sehen Sie die positiven Seiten des Kindes
auch wenn das oft schwerfällt.
2. Wenige, aber sorgfältig überlegte Regeln einführen.
3. Motorische Unruhe übersehen.
4. Auch kleine Erfolge uneingeschränkt loben.
5. Wutanfälle ignorieren.
6. Ruhephasen einbauen (z.B. autogenes Training,
kinesiologische Übungen,
Gymnastik auf dem Stuhl u.ä.)
7. Bewegungsdrang kanalisieren.
8. Das Kind nicht bloßstellen.
9. Klare Anweisungen geben.
10. Loben Sie auch die Anstrengung,
wenn das Ergebnis zu wünschen übrig lässt.
11. Differenzierendes Arbeiten erleichtert den
"schwierigen" Schülern das Teilhaben
und hält die Frustration geringer.
(Beispiel: alle Kinder machen Aufgabe
1 + 2, wer will auch noch 3)
12. Regelmäßiger Kontakt zu allen,
die mit dem Kind zu tun haben.
13. Kurze Konzentrationsspannen berücksichtigen.
14. Kleine Ämter in der Gruppe heben das
Selbstwertgefühl und können helfen,
die Bewegungsunruhe zu kontrollieren.
15. Ruhe und Gelassenheit bewahren.
Sie senken die Erregung des Kindes
und dienen als positives Vorbild.
16. Sich nicht provozieren lassen.


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